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Keine Ausreden mehr

27. Februar 2018
von Philipp Scheffbuch
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Städte können grundsätzlich Fahrverbote für Dieselautos zur Luftreinhaltung verhängen. Das hat das Bundesverwaltungsgericht jetzt entschieden.

Das ist eine erfreuliche Nachricht, weil es nun keine Ausreden mehr gibt und jede Hinhaltetaktik der öffentlichen Verwaltung und der Automobilindustrie in sich zusammenfällt.

Es ist gut, dass die Gewaltenteilung funktioniert. Die Judikative erkennt, dass die Exekutive versagt, weil sie die Bestimmungen der Legislative nicht ausführt. Im Klartext: die bisherige Beißhemmung der öffentlichen Verwaltung gegen die Automobilindustrie ist nicht zulässig. Die Kommunen müssen agieren und können nicht einfach nur abwarten.

Der bisherige „Feinstaubalarm“ der Stadt Stuttgart war eine Schlacht mit Wattebällchen. Zum Vergleich: im Strafgesetz käme nach einer Einbruchserie auch niemand auf die Idee, einen „Diebstahlalarm“ auszurufen statt die Täter zu überführen. Was spräche eigentlich dagegen, dass Städte wie München oder Stuttgart jetzt Volkswagen verklagen? Denn Volkswagen (und womöglich manch anderer Hersteller) hat jahrelang Autos verkauft, die nicht halten, was sie beim Kauf versprochen haben. Es sind also nicht die Kunden schuld, sondern die Automobilindustrie. Alle falsch deklarierten Fahrzeuge müssten auf Kosten der Hersteller deshalb umgerüstet werden. Wer diesen Kampf mit der Autoindustrie nicht eingeht, macht sich verdächtig, noch immer nicht zubeißen zu wollen.

Ein Komiker als Regierungspräsident

20. Dezember 2017
von Philipp Scheffbuch
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Von wegen Carl Benz: Wahrscheinlich waren es die Grünen, die das Auto erfunden haben. Und jetzt herrscht unter ihnen große Angst vor, ihre stolze Erfindung könnte aussterben. Der Stuttgarter Regierungspräsident Wolfgang Reimer hat sich sein Amt dank seiner überdurchschnittlichen Fähigkeiten hart erarbeitet. Dass er ein Grünes Parteibuch hat, wird Zufall gewesen sein. Kostproben seiner extraordinären Begabung hat er Anfang dieser Woche vor dem Verwaltungsgericht Stuttgart gegeben. Den Antrag der Kläger, dass das Land bei Überschreitung der Grenzwerte gemäß Zusage verpflichtet sei, Maßnahmen zur Minderung des Autoverkehrs zu treffen, hat er zurückgewiesen. Um zu beweisen, dass er die Problemlage in ganzer Tiefe erfasst hat, schlug er vor, in den Häusern der beiden betroffenen Kläger beim Neckartor technische Einbauten vorzunehmen, um dort vergleichsweise saubere Luft zuzuführen.

Der Mann hat Recht: Das Waldsterben früher kam auch nicht von den Autos. Schließlich waren Waldwege schon immer für Autos gesperrt.

Kirche auf dem Strich

06. Dezember 2017
von Philipp Scheffbuch
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Die Evangelische Landeskirche Württemberg kann vor Kraft kaum laufen: Schlappe 1.100 Millionen (also 1,1 Milliarden) Euro Geldvermögen liegen auf ihrer hohen Kante, dazu kommt nochmals die selbe Summe an Sachanlagen. Da es sich bei Letzterem überwiegend um Immobilien handelt, dürfte das wahre Ausmaß an Vermögen sogar um mindestens 50 Prozent höher sein; denn wie jeder vorsichtige Kaufmann rechnet sich die hiesige Religionsgemeinschaft nach dem Niederstwertprinzip arm: Die jüngsten Wertsteigerung auf dem Immobilienmarkt sind in den Büchern der Kirche (für ihren Mietshäusern und Grundstücke) nicht ansatzweise abgebildet.

Die Evangelische Landeskirche ist also ein draller Milliardär, wäre aber natürlich nicht württembergisch, wenn sie sich nicht ärmer machen würde als sie ist. Dagobert Duck passt schließlich nicht so gut ins Neue Testament. Wurde Jesus dem Vernehmen nach doch häufig mit armen Menschen gesehen. Aber bei den Bettlern und Armen gibt es selten Delikatessen zu essen, sie richten auch nicht zu häufig coole Events aus. Insofern hat die Stuttgarter Johanneskirchen-Gemeinde jetzt einen gewieften Königsweg gefunden, um sich selbst (wegen Renovierungskosten) bedürftig darzustellen und dennoch das Licht der Schönen und Vermögenden genießen zu können: Gedanklich auf dem Rücken liegend hat die Gemeinde ihr Gotteshaus temporär für Luxusdinner und sonstige Parties an eine Eventagentur vermietet.

„Durch ein Kerzenmeer illuminiert, mit Pflanzen geschmückt, die Orgel auf der Empore samt deren Pfeifen in rotes Licht getaucht. Durch die Überlassung des Kirchenraums will die finanziell gebeutelte Gemeinde eine 33.000 Euro teure Mikrofonanlage finanzieren“, schreiben die „Stuttgarter Nachrichten“. Die Eventagentur wirbt auf ihrer Homepage: „Es entsteht unser Heavenseveneleven – eine einzigartige Pop-Up-Location, in der sich Menschen und Sinne begegnen. Gemeinsam mit unserem Catering-Partner haben wir einen Traum im Raum geschaffen, wo Erlebnis auf Kirche und Fine-Dining auf faszinierendes Ambiente trifft.“

33.000 Euro. Nicht für eine Nacht. Für viele Nächte. Die Kirche hat sich schon besser verkauft.

 

 

Kreuzige ihn!

28. November 2017
von Philipp Scheffbuch
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Das Gericht hat gesprochen, aber natürlich zu milde: Denn Anton Schlecker darf laut Urteilspruch leben, eine Todesstrafe wird bedauerlicherweise nicht angewandt. Stattdessen müssen nur seine Kinder für ein paar Jahre in den Bau, Schlecker senior wird weiter auf freiem Fuß Luxus-Hemden tragen. Das ist nicht zu ertragen. Der Mann ist eindeutig ein Unmensch, ein Betrüger, ein Tyrann. Ganz Deutschland ist sich in dieser Frage einig. Und immer, wenn sämtliche Deutschen einer Meinung sind, ist das etwas sehr Gutes fürs Land. Das wissen wir.

Anton Schlecker ist ein Verlierer. Er hat gegen dm verloren. Gegen Rossmann. Gegen den Zeitgeist. Und gegen Verdi. Keiner in diesem Land mag Verlierer. Verlieren ist böse. Dagegen müssen wir angehen. Verlierer gehören vernichtet. Anders geht es nicht.

Gottseidank gibt es auch Gewinner in unserem Land. Die gehören nicht getötet, die gehören auch nicht in den Knast. Die gehören gelobt und üppig honoriert. So zum Beispiel der Insolvenzverwalter des Schlecker-Imperiums, der sogenannte Anwalt der Gläubiger. Der Mann hat endlos viel gearbeitet und konnte in dem Schlecker-Dickicht wirklich nicht die Schiebereien erkennen, wegen derer jetzt Lars und Meike Schlecker ins Gefängnis müssen. Daraus einen Vorwurf oder gar eine strafrechtliche Konsequenz abzuleiten, wäre doch aberwitzig. Der Insolvenzverwalter hat einen BWL-Abschluss, sogar an der Uni. Insolvenzverwalter sind wirklich keine Verlierer, das sind die Guten. Völlig zu recht kassiert er trotz des Versäumnisses jetzt einen hohen Millionenbetrag als Honorar.

Gewinner sind selten selbstständig. Die meisten Gewinner sind angestellt, so auch Professor Dr. Martin Winterkorn. Gottseidank erkennt die Justiz bisher anscheinend, dass der langjährige VW-Chef keinesfalls verantwortlich sein kann für den VW-Skandal. Es wäre auch zu absurd, wenn ein Vorstandschef am Schluss für die Betrügereien seiner Mitarbeiter strafrechtlich haften müsste. Man sollte wirklich die Kirche im Dorf lassen: Ging es doch eigentlich nur um Abgas-Schummeleien. Schön, dass Volkswagen das ähnlich sieht und Winterkorns bescheidenen Vertrag annähernd ausbezahlt hat.

Die meisten Gewinner in diesem Land sitzen in Aufsichtsräten. Sie treffen sich immer wieder und kontrollieren gewissenhaft. Aber bitte: Wirklichen Einblick können sie bei ihren Meetings in tristen Konferenzräumen natürlich nicht erlangen. Insofern ist auch wenig überraschend, dass der Aufsichtsrat in Wolfsburg den VW-Skandal aus der Zeitung erfahren hat. Völlig unangemessen wäre es deshalb, wenn die Staatsanwaltschaft gegen VW-Aufsichtsrat-Mitglieder wie den niedersächsischen Ministerpräsidenten oder den ehemalige IG-Metall-Chef vorgehen würde.

Wir Deutsche müssen Maß und Mitte bewahren. Volkswagen ist extrem gut für uns alle. Schlecker ist die gierige Krämerseele. Er ist der wirklich Böse in unserem Land. Weg mit ihm.

 

 

schlechtmensch? was soll das?

27. Oktober 2017
von Philipp Scheffbuch
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Warum heißen wir schlechtmensch? Es ist ganz einfach, die Guten sind ja schon die anderen.

Zum Beispiel die großen Lebensmitteldiscounter: „Bei Aldi Süd steht der Mensch im Mittelpunkt“, heißt es auf deren Homepage. Konkurrent Lidl posaunt hinterher: „Was uns diesen Weg erfolgreich beschreiten lässt, ist unser gemeinsames Verständnis davon, wie wir arbeiten möchten: mit Fairness, Mut, Veränderungsbereitschaft und einem hohen Maß an Empathie.“ Und auch der Fast-Fashion-Extremist Primark schreibt ohne Schamesröte: „Wir teilen die übergeordneten Prinzipien der Gruppe in Bezug auf Menschenrechte, Arbeitsbedingungen, Geschäftsgebaren und die Beziehung zu Zulieferern und anderen Beteiligten.“

Wir mögen ja Humor, aber das ist etwas viel.

Wenn sich inzwischen wirklich jeder „gut“ nennt, nennen wir uns lieber „schlecht“. Weil wir wirklich anders sind.

Schönes Leben

19. Juli 2017
von Philipp Scheffbuch
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Wir sind klein. Unser Herz ist rein. Aber nehmen wir mal an, schlechtmensch wäre groß. So richtig riesig wie zum Beispiel ein wichtiger deutscher Industriekonzern. Dann würde unser Leben ganz anders funktionieren. Wir würden Millionen Stück an „Fairtrade“-T-Shirts verkaufen. Scheinbar. In Wirklichkeit würden wir jedoch, um Kosten zu sparen, nur billige – unfair hergestellte –  T-Shirts umetikettieren und als fair ausgeben. Wir würden Tag für Tag beteuern, dass wir der beste Händler der Welt sind und auf uns absolut Verlass ist. Premium halt!

Würde dann eine anderer Fairtrade-Händler aus Norddeutschland des Betruges überführt, würden wir empört zu ihm hinüberzeigen und mit aufgerissenen Augen beteuern, bei uns sei alles in Ordnung und wir seien zutiefst angeekelt von den Betrügereien unseres Wettbewerbers.

Wir würden das so lange durchhalten bis bissige Journalisten ortsfremder Medien uns nachweisen, dass wir gemogelt haben. Wenn dann zusätzlich auch noch die Staatsanwaltschaft sich anschickt, gegen uns zu ermitteln und die Stadt Stuttgart droht, bald gar keine Fairtrade-T-Shirts mehr in die Stadt zu lassen, reagieren wir ganz einfach: Wir würden drei Millionen T-Shirt zurückrufen und die Software der T-Shirts verändern.

Die Staatsanwaltschaft würde Kreide fressen, der Ministerpräsident würde uns loben und unsere Kunden würden uns wegen des kostenlosen Rückrufes auf die Schulter klopfen. Das Leben kann wirklich schön sein.

 

kostenfrei Parken und fair shoppen

06. Juni 2017
von Philipp Scheffbuch
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schlechtmensch mag alle: Sogar die Autofahrer. Fast 100 000 Autofahrer fahren jeden Tag an unserem netten Laden in Stuttgart-Mitte vorbei und blicken mit traurigen Augen in Richtung unserer hübschen Schaufenster, weil sie denken, sie dürften hier nicht halten und parken. Die Autofahrer in Stuttgart tuckern inzwischen den ganzen Tag durch die Stadt, haben es sich aufgrund typischer schwäbischer Tugenden beinahe ganz abgewöhnt, ihr Fahrzeug in der City abzustellen. Kurioserweise verlangt die der Umweltbewegung zumindest scheinbar nahe stehende Stadtverwaltung nur von denjenigen, die den Motor in der Stadt abstellen, Geld, nicht aber von denen, die sich jeden Tag nur durchstauen und nicht bereit sind, ihre Kraftmaschinen auszuschalten. Die Stadt Stuttgart greift bei den Parkgebühren beherzt zu: Nach heutigen Lokalzeitungsberichten wird sie demnächst gar annähernd vier Euro für eine Stunde Parken in Rechnung stellen.

Die meisten schlechtmensch-Kunden pilgern zu Fuß, mit dem Fahrrad oder mit der U-Bahn zu uns ans Neckartor. Wer jedoch sowieso bei uns vorbeifährt, dem sei gesagt: direkt vor unserem Laden darf der Autohalter kostenfrei sein Fahrzeug abstellen, den Motor abschalten, bei uns stöbern und bei Gefallen natürlich auch einkaufen. Hierfür muss der Autobesitzer am Parkscheinautomat in der Schubartstraße nur auf die Brötchentaste drücken, den kostenfreien Parkschein entnehmen, hinter seine Windschutzscheibe legen und sieben Schritt zu unserer Eingangstür gehen.

Übrigens: Sollten wider Erwarten die vier Kurzzeit-Parkplätze direkt vor unserem Laden belegt sein, dürfen Menschen, die sich für unsere faire Mode interessieren, sehr gerne auch bei uns im Hinterhof parken. Hierfür bitte einfach direkt vor die Ladentür fahren und uns Bescheid geben.

Vergessenes Grab: Daimler

18. Februar 2017
von Philipp Scheffbuch
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Es ist allgemein bekannt: in Stuttgart gibt es einen nicht unbedeutenden Autokonzern, er setzt 153 Milliarden Euro im Jahr um und erwirtschaftet einen Gewinn von 12,5 Milliarden Euro, er verschafft 282.000 Mitarbeitern einen Job und bezahlt seinem Vorstand jährlich 29 Millionen Euro. Der Konzern nennt sich nach dem Familienname des Mannes, der das erste vierrädrige Kraftfahrzeug mit Verbrennungsmotor erfunden hat: Gottlieb Daimler. Gottlieb Daimler lebt nicht mehr, sondern liegt seit 117 Jahren auf dem Uff-Kirchhof in Stuttgart-Bad-Cannstatt.

Zwischen der edlen repräsentativen Daimler-Konzernzentrale in Untertürkheim und dem Uff-Kirchhof in Bad Cannstatt liegen genau 3,2 Kilometer Straße. Mit einem herkömmlichen Pkw benötigt man für die Strecke maximal sieben Minuten, mit einem Mercedes wahrscheinlich nur sechs Minuten. Der Uff-Kirchhof liegt zwischen der Lutherkirche und der Liebfrauenkirche, den vielleicht schönsten beiden Kirchen im gesamten Stuttgarter Stadtgebiet. Auf diesem eindrücklichen Friedhof also befindet sich die letzte Ruhestätte des Mannes, dem sowohl der Vorstand als auch alle Angestellten der heutigen Daimler AG ihren relativen Wohlstand zu verdanken haben. Besucher erwarten – wie an vielen anderen vergleichbaren Orten auch – ein stolzes würdevolles Grab, ein gepflegtes Grab, ein Grab, das Respekt und auch Dankbarkeit zum Ausdruck bringt. Das alles ist hier aber erstaunlicherweise nicht zu sehen.

Es liegt altes Laub zwischen den Bäumchen, davor ein mehrere Wochen altes Gesteck. Ansonsten gibt es keinen Kranz, keine Gedenktafel, nichts. Es ist mehr als zu spüren: der Gründer ist vergessen, hier scheint das börsennotierte Wirtschaftsunternehmen, das sonst auf kostspielige Hochglanz-Werbung setzt, zum knauserigen Erben zu werden. Dabei kostete eine tagtägliche Grabpflege wohl kein Vermögen. Es geht viel eher um die Gewichtung. So steht sehr nahe zu vermuten, dass der Untertürkheimer Autokonzern auf dem Uff-Kirchhof für ein gesamtes Kalenderjahr Grabpflege weit weniger als einen Tagessatz der Vergütung des heutigen Vorstandsvorsitzenden aufwendet. So oder so: Das Grab macht nachdenklich.

Ansvar Rucksack in Stuttgart

25. November 2016
von Philipp Scheffbuch
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Habt Ihr schon einmal ein Segeltuch gesehen, das mit Regen Probleme hätte? Eben.

Segeltücher bestehen aus einem dicht gewebten Stoff, der sich Canvas, gesprochen „kann was“, nennt.  Die deutsche Lautsprache kommt diesem Alleskönner unter den Garnen inhaltlich sehr nahe: Wasser von oben, von der Seite und von unten ist kein Problem. Der große Ansvar Rucksack von Melawear besteht aus 100 Prozent aus Biobaumwolle, das nach Fairtrade-Kriterien angebaut wurde. Garantiert ist damit, dass es keine Ausbeutung bei der Rohstoffproduktion, dem Baumwollanbau, gegeben hat. Damit nicht genug: Ansvar ist der erste Rucksack, der auch GOTS zertifiziert ist. Damit erfüllt er alle sinnvollen ökologischen und sozialen Kriterien (Details zu GOTS hier klicken) und gibt dem Träger die Sicherheit, auf seinem Rücken ein einwandfreies Teil zu tragen. Der Ansvar-Rucksack ist in einem skandinavischen Design hergestellt. Ansvar bedeutet in Skandinavien Verantwortung. Der Rucksack ist also nicht nur ein schickes und sehr bequemes Aufbewahrungsmittel, sondern ein Statement für alle Menschen, die etwas verändern wollen.

Der Rucksack ist erst im April 2016 auf den Markt gekommen und wird Gottseidank von den Kunden häufig nachgefragt. Kommt in unseren Laden und fühlt das Material und schaut Euch die schönen Farben an. Inzwischen gibt es zusätzlich auch den kleineren Ansvar II für 79,90 Euro. Selbstverständlich wird der Rucksack wie alle unseren Artikel bei einer Online-Bestellung kostenfrei und innerhalb eines Tages zu Euch ins Bundesgebiet geliefert.

zu unserem Online-Shop Ansvar hier klicken

zu unserem Echten Laden in Stuttgart-Mitte hier klicken

 

Kirchen als Sparfüchse

06. Oktober 2016
von Philipp Scheffbuch
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„Darum sage ich euch: Sorget nicht für euer Leben, was ihr essen und trinken werdet, auch nicht für euren Leib, was ihr anziehen werdet. Ist nicht das Leben mehr denn Speise? und der Leib mehr denn die Kleidung? Sehet die Vögel unter dem Himmel an: sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in die Scheunen; und euer himmlischer Vater nährt sie doch. Seid ihr denn nicht viel mehr denn sie?“ Soweit Jesus Christus, überliefert zumindest nach Matthäus 6.

Heute hat das Erzbistum Köln den jährlichen Finanzbericht veröffentlicht. Demnach hortet alleine das Kölner Bistum 2500 Millionen Euro in Wertpapieranlagen. Die Immobilienanlagen werden zusätzlich vorsichtig gerechnet auf 600 Millionen Euro ausgewiesen, dazu kommen Sachanlagen und Umlaufvermögen. Das Bistumskapital, die Rücklagen und die Rückstellungen zusammen – also im Prinzip der der bezifferte Angstfaktor vor der Zukunft – beläuft sich auf 3,2 Milliarden Euro, also sagenhafte 3200 Millionen Euro! Die Münchener und die Paderborner Bistümer sind noch reicher als die Kölner, beziehungsweise – in den Worten Jesu – noch sorgenvoller.

Auch die Protestanten leben alles andere als sorglos in den Tag hinein. Alleine die Evangelische Landeskirche in Württemberg könnte von heute auf morgen 3000 Millionen Euro lockermachen, so viel Geldvermögen besitzt die Landeskirche. Zusätzlich gibt es laut deren Bilanz ein beträchtliches realisierbares Immobilienvermögen. Betrachtet man die Passivseite der Bilanz wird der Reichtum klar: Eigenkapital und die aus Sorge gebildeten Rückstellungen zusammen erreichen 3,8 Milliarden Euro, also sogar mehr als im Bistum Köln. Dringende Verwendung scheint die württembergische Landeskirche momentan nicht für ihr Vermögen zu haben, so wurden mehr als 1100 Millionen Euro in längerfristigen Finanzanlagen geparkt.

Die Kirchen beider Konfessionen argumentieren gerne mit der Vorsorge für schlechtere Zeiten oder noch präziser mit der Notwendigkeit, für die eigenen Bediensteten Pensionsrückstellungen bilden zu müssen. Dabei gibt es nicht wenige Menschen im In- und Ausland, die heute in existenzieller Not sind. An diesen Personenkreis wird in beiden Kirchen nicht selten erinnert, besonders nachdrücklich, wenn es um Opfergaben im Gottesdienst geht.

Zum Vergleich: herkömmliche Wirtschaftsunternehmen stecken ihre Mittel normalerweise in ihr Kerngeschäft und haben nur wenige Mittel übrig, um Finanzanlagen anzuhäufen – es sei denn es handelt sich um deren Kerngeschäft, also um Hedgefonds oder Investmentfirmen.

„Sehet die Vögel unter dem Himmel an: sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in die Scheunen; und euer himmlischer Vater nährt sie doch.“ Die Leichtigkeit der zitierten Vögel ist bei den Kirchen nicht wirklich zu spüren. Ganz im Gegenteil. Es wäre spannend zu erfahren: woher kommt die ganze Angst?